Waldwinkel

Die nächste technische Arbeit war wegen eines neuen Ultraweitwinkel- Objektivs ziemlich ungerichtet. Es ist das erste mal für mich, mit einem solchen Objektiv (14-24mm Brennweite) zu fotografieren. Da mich die Verzerrung am meisten reizte, suchte ich ein Motiv mit vielen geraden Linien.

Der Wald ist dafür ideal. Also probierte ich verschiedene Perspektiven und Ausschnitte. Das erste Motiv fotografierte ich auf dem Rücken liegend mit senkrecht nach oben gerichtetem Blick. Bei der Höhe der Bäume kann man sehr schön erkennen, wie das Objektiv nicht nur an den Seiten verzerrt, sondern die Relation zwischen Hinter- und Vordergrund verschiebt. So scheint sich das Blätterdach über den Betrachter zu biegen.

Beim zweiten Motiv wird dieser Effekt noch deutlicher sichtbar. Obwohl die Waldveilchen nur wenige Zentimeter vom Objektiv entfernt sind, wirken sie fern. Dabei kam mir unweigerlich Walter Benjamins Definition des Begriffes Aura in den Sinn:

Diese letztere [die Aura] definieren wir als einmalige Erscheinung in der Ferne, so nah sie sein mag. Walter Benjamin, »Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit«, Suhrkamp taschenbuch 4196, S. 19